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Ebermannstadt,16.11.2005
Ja zur Liste der Grausamkeiten
460 000 Euro Mehrkosten bei Schulsanierung in Ebermannstadt auf Grund von Baumängeln
Da musste Bürgermeister Franz Josef Kraus erst einmal schlucken. Auf 461680 Euro belaufen sich die von Architekt Udo Freitag errechneten Mehrkosten beim ersten Bauabschnitt der Volksschulsanierung. Die Gesamtkosten betragen 14 Millionen Euro. Die gravierendsten Baumängel finden sich im Bereich des Schwimmbades und der Turnhalle. Die "Liste der Grausamkeiten" (O-Ton Bürgermeister Kraus) beginnt mit der nicht mehr tragfähigen Dachschale der Turnhalle eins. Sie hat Risse und ist Einsturz gefährdet. Deshalb soll das Dach abgenommen und durch ein Trapezdach ersetzt werden. Die gleiche Situation zeigt sich im Nebenraum-Trakt. Hier gebe es ebenfalls Risse, die Durchbiegung sei zu groß. Die Folge. Es müssen neue, abgehängte Decken her. Notwendig seien auch zusätzliche statische Maßnahmen an der Gasbetondecke der Turnhalle zwei. Das Problem hier: Sie kann keine zusätzlichen Lasten wie etwa Formglas und Kies aufnehmen. Hinzu kämen brandschutzmäßige Auflagen, erläuterte Architekt Freitag. Zwar werde in jedem Fall eine UV-beständige Bahn aufgebracht, doch eine Garantie auf eine Haltbarkeit für die nächsten 25 Jahre gebe es nur gegen einen Aufpreis von 70 000 Euro. Notwendig seien weiter Maßnahmen an den Betonstützfüßen. An der Reihe der Stützpfosten müsse der Fugenverguss erneuert werden. Er sei bis zu einer Tiefe von 20 Zentimetern nicht mehr tragfähig. Ursache: Es wurde mit einem falschen Vergussmittel ausgefugt. Unabdinglich sei auch eine Befestigung der Beton-Fertigteile, die lose aufeinander liegen. Der Vergussmörtel habe sich hier aufgelöst. Die Verankerungseisen seien nicht eingebogen worden. Deshalb stehen sie ab und sind korrodiert. Eine neue Befestigung ist fällig. Die Stahlfront-Teile müssten neu angedübelt werden. Umfangeiche Schäden gebe es auch am Verbindungsgang vor der Turnhalle, der unterfangen wurde. Hier könnten nur die Stahlsäulen bleiben. Die neue Decke werde in die Außenwand eingezapft. Erst alles weg Nicht tragfähige Fassadenteile (Klinker und Verklinkerungen) müssten abgebaut werden. Erst dann könne ein tragfähiges Mauerwerk mit Vollwärmeschutz aufgebracht werden. Für die vorgehängte Fassade im Bereich der Turnhalle hätte es einer Verankerung aus Edelstahl bedurft. Das wurde unterlassen. "Eine halbe Sache", befand Architekt Udo Freitag. Sein Lösungsvorschlag: Abreißen und den Wärmeschutz direkt aufbringen. Ob das wirklich alles sei, wollten die Schulverbandsräte wissen. "Nach dem jetzigen Kenntnisstand ja", antwortete Freitag. Doch Stadtrat Klaus Neuner fürchtete, dass sich noch das eine oder andere "Überraschungs-Ei" in der Baumaßnahme verbergen könne. Bürgermeister Erhard Müller, Pretzfeld, sprach von "immer neuen Hiobsbotschaften finanzieller Art". Er regte an, den zusätzlichen Ausgaben eine Liste von Einsparungsmöglichkeiten bei der Gesamtsanierung gegenüberzustellen. Doch der Architekt hatte noch eine Reihe von Empfehlungen. So sollten die Wärmebänke im Schwimmbad erneuert und elektrisch beheizt werden. "Nicht in Ordnung" In der Turnhalle eins sei ein neuer Turnhallenboden ohne Oberbelag fällig, denn es fehlt eine Dampfsperre: "Es ist nicht ganz in Ordnung, was da unter dem Boden ist". Zudem sollen die Bodenhülsen für die Sportgeräte erneuert und neue Sportgeräte angeschafft werden. Dringend erneuerungsbedürftig seien die Türen und Türzargen im Schwimmhallen-Bereich. Auf einer Höhe von 20 Zentimetern seien die Zargen total durchgerostet. "Wir haben sie abgeschnitten, wegen der Unfallgefahr" bestätigte Hausmeister Karlheinz Parzefall. Und statt Türen aus Kunststoff plädierte Udo Freitag für Leichtmetall-Türen. Bei der günstigeren Variante habe er zu viel Lehrgeld bezahlt. Schließlich regte Freitag noch an, dass Decken im Bereich der ehemaligen Hausmeisterwohnung und Teilbereiche im Flur erneuert werden müssten. Das seien die dringendsten Maßnahmen. Und weil es keine Alternative gibt, nahm der Ausschuss an. Einstimmig, aber mit schlechtem Gewissen, denn "es kann immer noch die eine oder andere Leiche im Keller oder auf dem Dachboden versteckt sein", räumte der Architekt ein. Josef Hofbauer