Herausforderungen junger Menschen mit Pflege- und Sorgeverantwortung
Geschirr spülen, Zimmer aufräumen und Müll rausbringen – für viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gehören diese Aufgaben zu ihrem Alltag. Doch etwa 90.000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren versorgen darüber hinaus allein in Bayern kranke oder pflegebedürftige Angehörige und tragen ungleich mehr Verantwortung als Gleichaltrige1 . Statistisch gesehen sitzen in jeder Schulklasse ein bis zwei Schülerinnen und Schüler, die als sogenannte Young Carers gelten.
Young Carers bleiben in ihrer Tätigkeit oft unsichtbar. Der bayernweite Young Carers Aktionstag 2026 am 8. Juli in Nürnberg will das ändern. Eingeladen sind (ehemalige) Young Carers selbst sowie Fachleute, Multiplikator:innen und Unterstützer:innen.
Die Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken bietet einen eigenen Flyer für Betroffene und Fachleute, um auf bestehende Unterstützungsangebote hinzuweisen. Diesen finden Sieunterhalb des Textes.
Aufgaben der Young Carers
In der Fachwelt werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Pflege- und Sorgeverantwortung als „Young Carers“, zu Deutsch „Junge Sorgende“, bezeichnet. Sie unterstützen regelmäßig ihre kranken und pflegebedürftigen Angehörigen, zum Beispiel Eltern mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen oder Geschwister mit einer Behinderung. Die Aufgaben von Young Carers sind vielfältig. Sie übernehmen
den Haushalt, erledigen Einkäufe, bereiten Mahlzeiten zu oder begleiten zu Arztterminen. Häufig leisten sie auch emotionale Unterstützung oder kümmern sich um jüngere Geschwister. Neben diesen verantwortungsvollen Tätigkeiten müssen sie wie alle jungen Menschen Schule, Ausbildung oder Studium meistern und versuchen, Hobbys nachzugehen oder Freunde zu treffen – was oft zu kurz kommt.
Herausforderungen und Belastungen von Young Carers
Für die meisten Young Carers ist die Unterstützung ihrer Angehörigen eine Selbstverständlichkeit. Aus diesem Grund sprechen viele der jungen Menschen nicht offen über ihre Rolle in der Familie; oft auch, um das System, welches sie durch ihre Unterstützung aufrechterhalten, nicht zu gefährden. Doch die Verantwortung kann mit einer großen Belastung einhergehen und sich auf die psychische und körperliche
Gesundheit der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auswirken. Viele Young Carers leiden unter der Angst, Fehler zu machen oder sorgen sich ständig um ihre Angehörigen. Ihre persönliche, schulische und berufliche Entwicklung gerät dabei oft in den Hintergrund, da sie zahlreiche Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen.
Stärken von Young Carers
Trotz der vielfältigen Herausforderungen und Belastungen entwickeln viele Young Carers besondere Stärken, die ihnen im Leben zugutekommen. Sie verfügen häufig über ein hohes Maß an Empathie, ein stark ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und erleben oft einen starken familiären Zusammenhalt. Nicht selten gehen ihre Erfahrungen mit einem gestärkten Selbstwertgefühl und innerer Reife einher.
Young Carers erkennen
Young Carers bleiben mit ihren Bedürfnissen und Problemen oft unbemerkt. Im Schulalltag zeigen sie sich jedoch nicht selten durch Lernschwierigkeiten, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme. Auch ein Leistungsabfall oder das Verfehlen von Klassenzielen können Hinweise auf eine Überlastung sein.
Angebote für Young Carers
Um Young Carers gezielt unterstützen zu können, ist es wichtig, ihre Bedürfnisse und Probleme wahr- und ernst zu nehmen. Die Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken und die Staatliche Schulberatungsstelle Oberfranken haben es sich deshalb zum Ziel gesetzt, für die Bedarfe von Young Carers zu sensibilisieren. Young Carers, ihre Familien sowie Fachkräfte können sich jederzeit an die Stellen wenden, um einen Überblick über regionale und bundesweite Unterstützungsangebote zu erhalten. Anfängliche Informationen finden sich auf der Homepage der Fachstelle für Demenz und Pflege
Oberfranken: www.demenz-pflege-oberfranken.de/beratung-in-der-pflege/young-carers. Darüber hinaus sind Klassenlehrkräfte und lokale Erziehungsberatungsstellen immer erste Anlaufstellen. Die Beratung ist vertraulich und kostenfrei. Sie erreichen die Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken unter info@demenz-pflege-oberfranken.de oder 0951 / 85 512.