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Die Geschichte der Fairtrade-Stadt Ebermannstadt und der Sinn des fairen Handels

Mit Kaffee, Tee, Schokolade und Jutetaschen in Weltläden, auf Kirchenbasaren und an Marktständen fing es an. Dass man heute fair gehandelte Produkte auch im Supermarkt und Discounter kaufen kann, ist zum einen der Verdienst von Organisationen wie GEPA und Fairtrade. Zum anderen ist es auch den vielen Ehrenamtlichen zu verdanken, die durch ihr unermüdliches Engagement den fairen Handel immer wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerufen haben.

Am 18. Dezember 2012 wurde Ebermannstadt als erste Kommune im Landkreis Forchheim "Fairtrade-Town", eine Stadt also, in der auf fairen Handel geachtet wird. Fairtrade-Towns fördern gezielt den fairen Handel auf kommunaler Ebene und sind das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich für den fairen Handel in ihrer Heimat stark machen.

Um den Titel „Fairtrade-Town“ zu erhalten, müssen fünf Kriterien erfüllt werden: Eine Steuerungsgruppe koordiniert die Aktivitäten, Stadtrat und Verwaltung nutzen Fairtrade-Produkte, lokale Geschäfte, Cafés und Restaurants bieten faire Waren an, Schulen, Vereine und Kirchengemeinden führen Aktionen durch und örtliche Medien berichten darüber. Alle zwei Jahre muss der Titel erneuert werden. Als äußeres Zeichen darf Ebermannstadt seit 2012 das Fairtrade-Logo verwenden, z.B. auch auf der Homepage. Doch schon 30 Jahre vorher haben sich in Ebermannstadt verschiedene Gruppierungen mit den ungerechten Strukturen des Welthandels beschäftigt, haben sich Gedanken gemacht, wie wir alle einen kleinen Beitrag zu Veränderungen leisten können.

„Arbeitskreis Entwicklungshilfe“ – so hat sich Anfang der 80er Jahre eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genannt, die ihre Wurzeln v.a. in der katholischen und evangelischen Jugendarbeit hatte. Angestoßen wurden sie durch die „Aktion e von Brot für die Welt: einfacher leben, einfach überleben, Leben entdecken“. Das war das Motto der Weihnachtsaktion 1981. Ab 1982 hat der Arbeitskreis als Kommissionsgruppe des Weltladens Bamberg Waren aus dem fairen Handel verkauft. Auf dem monatlichen Markt sowie bei Veranstaltungen, die der Arbeitskreis zu entwicklungspolitischen Themen durchführte, konnten sich Interessierte über den Sinn des fairen Handels informieren.

Fairer Handel war dabei immer auch mit politischen Inhalten verbunden. Anhand der Produkte werden uns Verbraucherinnen und Verbrauchern Hintergrundinformationen über die Situation der Menschen in den Herkunftsländern der Produkte und über die Weltwirtschaft vermittelt und die Folgen unserer Kaufentscheidungen bewusst gemacht. Fairer Handel rückt die Menschenwürde und die Rechte von Menschen in den Mittelpunkt. Weltläden leisten so einen wichtigen Beitrag zur Begegnung mit anderen Kulturen.

Fairer Handel = Kritischer Konsum!

Als „Aktionsgruppe Weltladen“ konnte von der Gruppe ab 1987 ein Raum im Erzbischöflichen Jugendamt genutzt werden, sowohl als Warenlager, wie auch als Verkaufsstelle. Von dort haben dann weitere Kommissionsgruppen für ihre eigenen Aktionen Waren bezogen. Darunter der Katholische Frauenbund, der in den 90er Jahren einmal im Monat Waren nach dem Gottesdienst verkauft hat. Später wurde dies von der Katholischen Jugend übernommen. Auch in der Evangelischen Gemeinde gab es schon damals nach dem Gottesdienst einen Warenverkauf. Lehrkräfte des Gymnasiums haben regelmäßig Kaffee im Weltladen für den Kaffeebedarf im Kollegium besorgt. Die Arbeiterwohlfahrt schenkt seitdem bei ihren Veranstaltungen Kaffee aus dem fairen Handel aus und füllt ihre Geschenkkörbe mit Produkten aus dem fairen Handel. Und auch das Früchtehaus Kohlmann war und ist Kunde beim Weltladen und trägt die Idee des fairen Handels weiter.

Seit einigen Jahren sind fair gehandelte Produkte in Ebermannstadt auch in allen Supermärkten zu finden. Besonders bei REWE gibt es ein vielfältiges Angebot. Neben Waren, die von Fairtrade zertifiziert sind und das Logo tragen, sind auch einige Produkte der Handelsorganisation GEPA zu finden. Die Gesellschafter der GEPA sind ausnahmslos kirchliche Entwicklungs- und Jugend-Organisationen: Misereor, Brot für die Welt, aej, BDKJ und das Kindermissionswerk/Die Sternsinger. Um die Lebensbedingungen von Kleinbauern und Kunsthandwerkern zu verbessern, die mit ihren Produkten auf dem Weltmarkt benachteiligt sind, gründeten sie 1975 die GEPA. 1978 kamen die Jutetaschen mit dem Slogan „Jute statt Plastik“ auf den deutschen Markt – als Vorläufer der heute weitverbreiteten Einkaufstaschen aus Stoff. Sie wurden zum Symbol für eine Bewegung, die die vorherrschende Konsumund Wegwerfmentalität kritisiert.

Von der „Aktionsgruppe Weltladen“ wurden noch bis 2004 bei den Kirchweihmärkten und Weihnachtsmärkten Produkte aus dem Weltladen verkauft. Und auch danach wurde für andere Aktionsgruppen noch der Warenbezug auf Kommission ermöglicht und bis heute die Verkaufsstelle im Erzbischöflichen Jugendamt versorgt.

Ebermannstadt – eine Fairtrade-Town!

Die Ebermannstädterin Katharina Hofmann, die den fairen Handel durch ihr Engagement in der katholischen Jugend kennengelernt hatte, gab als Praktikantin beim damaligen Jugenpfleger der Stadt, Andreas Kirchner, den Anstoß für die Bewerbung um den Titel „Fairtrade-Town“. Neben anderen Engagierten wurde als Vertreterin der „Aktionsgruppe Weltladen“ auch Veronika Herlitz im Februar 2012 in die Steuerungsgruppe berufen und konnte sich am 18. Dezember 2012 gemeinsam mit den anderen Mitgliedern nach Erfüllung der fünf Kriterien über die Zertifizierung freuen. 2018 gelang erneut die Titelerneuerung.

„Fairer Handel soll das Elend, wie Kinderarbeit und Hungerlöhne verhindern, bevor es entsteht“, mahnte der Botschafter von FAIRTRADE Deutschland bei der Überreichung des Siegels an die Stadt. Der Faire Handel zielt darauf ab, menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen weltweit zu schaffen bzw. diese zu verbessern, damit Menschen in ihrer Heimat ein Auskommen haben, das es ihnen ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Faire Preise = angemessene Entlohnung!

Beim „kontrollierten“ fairen Handel erhalten die Erzeuger für ihre Produkte oder Produktbestandteile von den Fairtrade-Organisationen einen „Mindestpreis“. Damit soll den Produzenten auch bei niedrigeren Marktpreisen ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel ermöglicht werden und ihre Existenz gesichert werden. Durch feste Bezahlung und langfristige Verträge wird den Bauern und Kleinunternehmen in armen Ländern die Sicherheit gegeben, dass ihre Arbeit auf den Feldern oder in den Werkstätten angemessen entlohnt wird. Kaffee, Honig, Schokolade und Tee stehen neben Kunstgewerbe daher im Sortiment des Ladens an vorderster Stelle.

Veronika Herlitz, Mitglied der Steuerungsgruppe Fairtrade-Town Ebermannstadt