Navigation


Neues aus Ebermannstadt

Datum: Freitag, 03. Mai 2013

Bürgerverein will in den Jugendtreff

Kooperation: Das Jugendzentrum Ebermannstadt wird nur spärlich genutzt. Deshalb denkt der Bürgerverein Breitenbach darüber nach, das Haus zu übernehmen und die Jugendlichen als Untermieter zu beherbergen. Dafür würde der Verein das Haus umbauen.

Ebermannstadt - Als „verändertes Nutzerverhalten" umschreibt Jugendpfleger Andreas Kirchner das spürbar zurückgegangene Interesse junger Leute an einem „Jugendtreff" in Ebermannstadt. Waren es vor zehn Jahren gut 200 Jugendliche, die einen Treffpunkt forderten, sind es jetzt nur noch elf Teenager zwischen 16 und 20 Jahren, die diese Einrichtung an der B 470 in unregelmäßigen Abständen nutzen.Das geringe Interesse könnte laut Kirchner auch daran liegen, dass die Ausstattung mangelhaft sei. Auch räumliche Gründe nennt der Jugendpfleger für die geringe Akzeptanz. Die verwinkelte Bauweise des Gebäudes verhindere niederschwellige Angebote. Mit anderen Worten: Es ist nicht möglich, eine Tischtennisplatte oder einen Billardtisch aufzustellen, weil die Räume dafür viel zu klein sind.

Keine Zeit für Jugendarbeit

Hinzu kommt: „Die Angebote offener Jugendtreffs erreichen erfahrungsgemäß nur fünf bis zehn Prozent der Jugendlichen", informiert Kirchner. Er zitiert eine ganz aktuelle Studie der Technischen Universität Dortmund, die zu dem Ergebnis gekommen war, junge Leute hätten „keine Zeit für Jugendarbeit".Die Schlussfolgerung von Andreas Kirchner: Jugendarbeit müsse sich an den Bedürfnissen orientieren. „Ich arbeite gerne mit den Jugendlichen, allerdings muss die Initiative von ihnen ausgehen. Jugendliche zu bespaßen, dazu habe ich keine Zeit", bekräftigt Kirchner. Sinnvoll wäre eine pädagogische Begleitung plus eine kontrollierende Instanz hinsichtlich Hygiene und Brandschutz.

Die könnte künftig vom Bürgerverein Breitenbach kommen, der sein Interesse bekundet hat, das Jugendzentrum als Vereinsheim zu nutzen und die Jugendlichen als eine Art Untermieter aufzunehmen. Das grundsätzliche Einverständnis der Jugendlichen liege vor, bestätigte Kirchner vor dem Stadtrat.

Wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte, erläutert Thorsten Götz, Vorsitzender des Bürgervereins Breitenbach. Der 1908 gegründete Traditionsverein mit 190 ausschließlich männlichen Mitgliedern sei bereit, den Jugendtreff in Eigenregie umzubauen. Zwischenräume im Erdgeschoss sollen entfernt werden, so dass ein großer Gastraum für 60 Personen entsteht. Der neue Gastraum sieht einen neuen, einheitlichen Boden, einen Tresen, neben der elektrischen Marmorheizung einen Schwedenofen und an den Außenwänden eine durchlaufende Eckbank vor. Das Ambiente soll einerseits urig und rustikal aussehen, andererseits aber ästhetisch ansprechend wirken. Dieser Raum könnte nicht nur von der Jugend, sondern auch von Vereinen und Organisationen genutzt oder für private Feiern vermietet werden.

Keine Kosten für die Stadt

„Für die Stadt entstehen keinerlei Umbaukosten", versichert Thorsten Götz. Allerdings erwarte der Bürgerverein Breitenbach ein langfristiges unentgeltliches Nutzungsrecht. Immerhin fielen Umbaukosten in einer Größenordnung von 44 000 Euro an.Die Pläne des Bürgervereins Breitenbach gehen sogar noch weiter: In einem zweiten Bauabschnitt ist daran gedacht, über dem Toilettenbereich ein Satteldach zu errichten, so dass das aus Brandschutzgründen derzeit gesperrte Obergeschoss wieder nutzbar werde. Erschlossen würde das Obergeschoss über eine neu zu errichtende Außentreppe. Hier müsste sich die Stadt an den Materialkosten beteiligen.

Thorsten Götz unterstreicht, dass der Bürgerverein nicht nur die Aufgabe des Hausverwalters übernehmen, sondern auch für eine intensivere Nutzung des Gebäudes sorgen werde. „Und das Haus hätte wieder einen Herrn", ergänzt Ludwig Brütting, ebenfalls Mitglied des Bürgervereins Breitenbach, der das Vorhaben unterstützen will.

Dieser Vorschlag soll nun in den Fraktionen diskutiert werden. Die spontane Reaktion von Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU): „Wenn es die Stadt nichts kostet, ist es gut."

JOSEF HOFBAUER (FT)