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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Freitag, 26. April 2013

„Walberlahexen an einen öffentlichen Ort“ Kinder des Künstlers Hans Ott referierten über das Werk ihres Vaters im Resengörgsaal

Über 70 Zuhörer im Ebermannstädter Resengörgsaal beim Vortrag über das Leben und Werk von Hans Ott: Allein das war eine posthume Ehrung für den Kunstmaler, der von 1961 bis 1981 in Ebermannstadt lebte und dort als Mitmensch allseits hoch geschätzt wurde.

Vom Kulturkreis begrüßte Brigitte Mitterer die Zuhörer zum einführenden Vortrag für die noch bis 30. Juni im Heimatmuseum gezeigte Sonderausstellung: „Der Kunstmaler Hans Ott — ein Leben für die Malerei".
Gewissermaßen „unter seinem Maltisch aufgewachsen" sind der Sohn Michael und die Tochter Daniela Ott – niemand hätte also anschaulicher über die Bilder und Geschichten dazu erzählen können. „Viele Menschen schätzten ihn, das war ein gutes Gefühl für uns", sagte die heute in Esslingen lebende Tochter, „und er war ein sehr guter Vater". „Als Kinder konnten wir ihm vertrauen, er konnte so schön erzählen" bestätigte der Sohn, Dr. phil. an der Ludwig-Maximilian- Universität München.

 Lebte von 1961 bis 1981 in Ebermannstadt: Hans Ott, hier beim Herstellen von Holzschnitten. Foto: privat


Dem Herzen gefolgt

1902 in Bad Berneck geboren, wendete sich der Gastwirtssohn schon bald der Natur und der Jagd zu, eine Ausbildung zum höheren Forstdienst brach Ott zu Gunsten der Hochwildjägerei im Fichtelgebirge und dann der Ölmalerei ab; 1926 noch Autodidakt, zeigen erste Ansichten den Heimatort. „1927 folgte der Vater dem Herzen", so Daniela Ott und wanderte nach Südtirol. In Bozen traf er auf den im dortigen Malerkreis bekannten Carl Moser und ließ sich von dessen Farbholzschnitten inspirieren.
Als Kunststudent ab 1930 für vier Jahre in München, habe er diese Technik weiterentwickelt. Auf den bei Moser auffälligen Konturenstrich, verzichtete Hans Ott und verhalf so den aus Ölgemälden übersetzten Farbholzschnitten zu einer neuen „Leichtigkeit".
Viele der im Heimatmuseum ausgestellten Ölbilder und auf „Japanpapier" gedruckten Holzschnitte seien nach dem Umzug 1961 nach Ebermannstadt entstanden. So die Motive aus dem Wiesenttal, von fränkischen Trachten oder der Gößweinstein-Wallfahrt, bei der die Farbpunkte herausleuchteten, wie Michael Ott die „Experimentierfreude" des Vaters und seine Ausflüge in die abstrakte Kunst schilderte. Die Holzschnittdrucke erforderten handwerkliches Geschick und künstlerische Erfahrung, „es gab Glücksfälle oder auch Ausschuss", erinnerte sich der Referent.
Unter den Ölbildern rückte Daniela Ott – die vom Talent des Vaters geerbt hat – das 1970 entstandene Meisterwerk mit den „Walberlahexen" in den Mittelpunkt des — vielleicht auch öffentlichen — Interesses: Im Hexentanz finde die künstlerische Fantasie von Hans Ott ihren besonders kraftvollen und auch humorigen Ausdruck. „Ich finde, das ist kein privates Bild, die Walberlahexen gehören an einen öffentlichen Ort."
MARQUARD OCH (NN)