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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Sonntag, 09. Juni 2013

„70-Stunden-Woche ist normal“

BILANZ: Franz Josef Kraus wird nicht mehr als Bürgermeister kandidieren. Damit endet im Frühjahr seine Zeit im Rathaus von Ebemannstadt.

Ebermannstadt - Geschockt reagierten die CSU-Mitglieder der Ortsgruppe Ebermannstadt, als Bürgermeister Franz Josef Kraus seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur als Bürgermeister bekräftigte: „Ich habe gesagt, wenn die Kastanienbäume auf dem Marktplatz Schatten werfen, höre ich auf." Dieser Zeitpunkt sei nun gekommen.
„Dies ist meine Heimatstadt, hier bin ich aufgewachsen und 1956 eingeschult worden. Ich bin froh, dass es mir vergönnt war, mit dem Stadtrat und den Bürgern einige Dinge auf den Weg zu bringen", zieht Kraus eine sehr positive Bilanz seiner bislang 23 Dienstjahre als Bürgermeister. Eine hundertprozentige Erfolgsquote bei den von ihm angestoßenen Maßnahmen war ihm allerdings nicht vergönnt. „Bei der Ansiedlung eines zweiten Supermarktes habe ich die Stimmung der Bürger falsch eingeschätzt", gibt Kraus unumwunden zu.

Den Zeitpunkt selbst bestimmen

Der Breitenbacher, für den eine 70 Stunden Woche nach eigenen Worten „völlig normal" sei, wird im Januar 64. Eine Wiederwahl als Bürgermeister würde bedeuten, bis 70 zu arbeiten. Ein Freund habe ihm einmal gesagt: „Mit 60 merkst du, dass du manchmal Fehler machst, mit 65 merken es auch die anderen und mit 70 merken es nur noch die anderen", lacht Kraus, der deshalb lieber zu einem Zeitpunkt abtreten will, den er selbsst bestimmt.
In den vier Legislaturperioden hat Kraus einiges erreicht; auch über die, von seinem Vorgänger Karl Theiler in Angriff genommene Dorferneuerung hinaus. Was alles auf ihn zukommen würde, hätte sich der frühere Verwaltungsangestellte der Stadt nicht träumen lassen. Die wohl größte Herausforderung war die Sanierung der Grund- und Hauptschule für 16 Millionen Euro. Die Feuerwehr erhielt ein neues Gerätehaus und jede der Ortsteilwehren bekam im Laufe der Jahre ein neues Auto.

Investiert wurde auch in Dorferneuerungsmaßnahmen in den Ortsteilen. „Ob Burg- oder Windischgaillenreuth, Gasseldorf, Rüssenbach oder Morschreuth – die Orte sind heute viel schöner als zu Beginn meiner Amtszeit", freut sich Kraus.

Zu den Pflichtaufgaben zählt Kraus, der täglich mit seinen Hunden einen Morgen- und Abendspaziergang durch die Stadt macht, die Sanierung und Erweiterung des Rathauses. Auch die Stadthalle, ein 5,6 Millionen-Projekt, wertet er als vollen Erfolg.

Hier hatte der CSU-Mann bei der Wahl des Standortes erst einmal Überzeugungsarbeit bei den eigenen Leuten und im Stadtrat leisten müssen. „Die Halle gehört dort hin, wo die meisten Nutzer sind, und das sind die Schüler." Eine Einschätzung, die sich als goldrichtig erwiesen hat, zumal mit den Einnahmen aus der Verpachtung des ursprünglich dafür vorgesehenen Standortes am „Oberen Tor" das entstehende Defizit gedeckt werden kann. „Während andere Kommunen draufzahlen, schreiben wir mit unserer Mehrzweckhalle seit Jahren eine schwarze Null", zeigt sich der Bürgermeister zufrieden.

„Ich habe mich gern für meine Heimatstadt eingesetzt", sagt Franz Josef Kraus. Er habe stets versucht, für seine Bürger da zu sein. Foto: Hofbauer

Erleichtert ist Kraus über das Projekt Hochwasserfreilegung. Dank der Flutmulde sei eine Überflutungsgefahr der Häuser in der Altstadt so gut wie gebannt, erklärt Kraus und klopft dabei auf Holz. Zwei Projekte, die Kraus als persönliche Erfolge verbuchen darf sind das Seniorenzentrum Fränkische Schweiz, das auf seine Initiative hin realisiert wurde, und die Senivita-Fachoberschule, die das schulische Angebot komplettierte. Auch sie hatte Bürgermeister Kraus nach Ebermannstadt geholt, ebenso wie das Projekt „Friedwald". „A Kroha, de höckt, erwischt nix", hatte sich der Bürgermeister an einen gute Rat vom ehemaligen Landrat Otto Ammon erinnert und sich nach Projekten umgesehen, die für Ebermannstadt „passen".

Gerade als „Schwarzer" freue er sich über die Anerkennung der Umwelt-Bemühungen der Stadt, seitens der Naturschützer. „Immerhin waren wir die erste Kommune im Landkreis mit einem Öko-Konto, Fledermäuse und der Storch 'Ebermar' fühlen sich absolut wohl bei uns", erinnert Kraus, der zum Schutz der Stelzenvögel sogar das „Böllern" verbieten ließ. Zur Freude der Kinder, die bis dahin an Fronleichnam bei jedem Salut zusammengezuckt waren.

Noch etwas Zeit

Nicht geschafft hat Kraus die Vollendung der Stadtsanierung. „Mal ist den Zuschussgebern, mal uns das Geld ausgegangen" lächelt Kraus, der aber anfügt: „Ich hab ja noch ein Jahr Zeit." Ein besonderes Anliegen wären da die Basteibräugasse, die Rosengasse und der Breitenbach.
Und mit welchen Gefühlen übergibt Kraus seine Stadt in einem Jahr an eine(n) Nachfolger(in)? „Ich finde, die Weichen sind auf Zukunft gestellt. Denken Sie nur an das Einzelhandelskonzept, das derzeit in der Mache ist."

Wer auch immer in die Fußstapfen von Kraus treten wird, Befürchtungen, dass ihm die Schuhe zu groß sind, müsse niemand haben. „Laufen muss jeder in seinen eigenen Schuhen. Ich habe das nach Karl Theiler auch so gemacht." Wer für die CSU in den Ring steigen wird, ist noch völlig offen.

JOSEF HOFBAUER (FT)