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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Dienstag, 25. Juni 2013

Kleine Seelenmassage: Rolf Böhm beglückte die Zuhörer mit Schmonzetten

Nach dem Motto, „Die Welt von heut' braucht den Therapeut" massierte der vom „Fränkischen Theatersommer" her bekannte Schauspieler und Musi­ker Rolf Böhm in der „Blankscheune" des Wiesentgartens in Ebermannstadt die Seelen seiner 35 Zuhörer, die der Einladung des Kulturkreises der Stadt gefolgt waren.

EBERMANNSTADT — Auch wenn es hier nur um ein „verbales Kneten" ging, verursachte die schwüle Hitze unter dem Fachwerkgebälk dem „Mas­seur" Schweißausbrüche. Angekün­digt waren „Lieder unter Kastanien­bäumen" und Rolf Böhm deklamierte seine Geschichten und Schmonzetten — alle aus eigener Feder – unter Nuss­bäumen, wie er sagte, damit lag er zweimal daneben, denn im Wiesent­garten stehen allemal Lindenbäum­chen.

Die Liebe — unübersichtlich
Sei's drum — zuvorderst ging es doch um die Liebe und da haute er es in die Tasten: „Man denkt beim Fox­trotttanzen nur daran sich fortzu­pflanzen." Doch sei die Liebe durch die „blauen Pillen" der Pharmaindus­trie inzwischen unübersichtlich: „Was gestern nicht mehr denkbar, wird plötzlich wieder schwenkbar." Gern hätte der Verse-Schmied auch noch „Romeo und Julia" sprechen las­sen, doch leider fehlte es in der Scheune an dem Balkon. Aus Goldo­nis „Mirandolina" zitierend, „der Tei­fel halt mir dieses Weib vom Leib", war Böhm mit dem Thema Liebe dann fertig: „Frauen nein Danke" — im Ver­gleich seien die „sieben Plagen über Ägypten" doch noch eine Gnade des Herrn. Das Wesentliche im Leben sei doch das Geld, aber schuld daran seien die Banken, stellte Böhm zum Kapitel Kapital fest. Gottlob gäbe es in Bad Kissingen oder Bad Wiessee noch diese anderen Banken: Nach „Baccara" und „Black Jack" war im Nu alles weg, nur die Bank im Stadt­park sei ihm geblieben.

Rolf Böhm in der Scheune des Wiesentgartens. Foto: Marquard Och

Romantik abgehakt
Schumanns „Kleine Träumerei" ließ den Pianisten von einer Vollmond­nacht schwärmen, doch als die „kleine Schlampe" auch um „elfe" noch auf sich warten ließ, hakte der Musikus die Romantik ab: „Bon Voyage guter Mond, leck mich am Arsch!" Klare Ansagen hatte der Kriti­kaster zu Bauskandalen, die schon seit dem „Schwarzbau" zu Babel ihre Tradition hätten und sich aktuell mit dem Berliner Flughafen und der Ham­burger „Elbphilharmonie" zum „Babel 21" entwickelten – „nur hat­ten die armen Babelkinder, damals noch keine Kabelbinder".
Schuberts „Forelle" schwamm bei Böhm bedingt durch die Umweltsün­den schon mit dem Bauch nach oben in der Quecksilberbrühe. In der Juris­prudenz sei früher wenigstens die Moral noch rechtsverbindlich gewe­sen; „heute spinnt jeder auf seine Weise", resümierte er und hatte bei all dem Seelenschmerz, Nägelkauen und einem Bier die Empfehlung: „Wenn dich das Leben nicht mehr freut, dann hilft der Therapeut".

MARQUARD OCH (NN)