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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Montag, 02. Dezember 2013

Sonntag muss frei bleiben

KAB fürchtet Entsolidarisierung durch verkaufsoffene Tage

EBERMANNSTADT — Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) hat sich an einem Informationsabend mit dem Referenten Manfred Böhm gegen verkaufsoffene Sonntage ausgesprochen.
Den Beschluss im Stadtrat, 2014 wieder vier verkaufsoffene Sonntage abzuhalten, hat Manfred Kemmerth, der stellvertretende KAB-Kreisvorsitzende, in einem Schreiben an die Stadt kritisiert. Alleine der FW/Bürgerblock- Rat Ludwig Brütting hatte sich dagegen ausgesprochen. Enttäuscht äußerte sich der KAB-Vertreter jetzt zum Schweigen der Stadtverantwortlichen: „Es wäre besser, miteinander zu reden." Mit Blick auf die auch in anderen Landkreisgemeinden ausgeweiteten Verkaufssonntage sagte Kemmerth, die Kommunalpolitiker nähmen die Kritik nicht ernst. Die Sozialverbände würden zwar angefragt, aber wirklich auseinandersetzen wollten sich auch die Politiker mit dem „C", so Kemmerth in Anspielung auf die CSU, nicht mit dem Thema.
Das nerve auch ihn, bemerkte dazu der KAB-Präses von der Forchheimer Pfarrei Verklärung Christi, Pfarrer Martin Battert, beim Infoabend in der Ebermannstädter Schwanenbräustube. Es rege doch zum Nachdenken an, wenn einer seiner Erstkommunikanten zur Frage, wie er sich den Sonntag wünsche, geschrieben habe: „Der Sonntag ist der schönste Tag, weil ich da mit der Mama Mittagessen kann." „Ich habe das Gefühl, wir sind machtlos", sagte die Kirchehrenbacher KAB-Kreisvorsitzende Gunda Gebhardt nach zahlreichen Aktionen mit der Forchheimer „Allianz für den freien Sonntag" und Unterschriftenaktionen seit 20 Jahren. „Was können wir machen?", war da die Frage an den Theologen und Referenten Manfred Böhm.
„Wir müssen vielleicht andere Wege beschreiten, mit Plakaten in öffentliche Sitzungen gehen, denn ohne Sonntag droht eine Entsolidarisierung", zeigte Böhm auf, der in seinem Vortrag bis in die Geschichte der Chaldäer zurückgegangen war. Da sei die Woche und als ihr siebter Tag der Tag für das Gemeinwohl erfunden worden. Aus dem jüdischen Sabbat — was soviel bedeute wie Unterbrechung sei im Christentum, von Kaiser Konstantin eingeführt, der Sonntag geworden, der erste Tag der Woche.

5000 Jahre im Irrtum?
„Mit der Abschaffung wäre der Sonntag ein 5000 Jahre alter Irrtum", zitierte der Referent den Zeitforscher Karlheinz Geißler. „Wir glauben, dass die kollektive Arbeitsunterbrechung am Sonntag ein Fortschritt ist." Offensichtlich entspreche der Sieben-Tage-Zyklus auch unserem Bio-Rhythmus, führte der Leiter der Betriebsseelsorge im Erzbistum Bamberg dann auch zu fehlgeschlagenen Änderungsversuchen aus. So sei die Zehn-Tage-Woche der Französischen Revolution bald wieder abgeschafft worden. Zuletzt habe die bei VW erfundene „rollierende Woche" nicht funktioniert, weil diese kollektive Zeit für Sozialkontakte ausgefallen war. Im Grunde sei der „urdemokratische" Sonntag ein Widerstandstag gegen die Diktatur des Marktes — „ein hohes Kulturgut das wir schützen müssen", bestärkte Manfred Böhm seine Zuhörer, weiter gegen den „Götzendienst", der die kleinen Einzelhändler an die Wand drücke, anzugehen. Denn schon in der biblischen Schöpfungsgeschichte stehe: Am siebten Tag ruhe die Arbeit.

MARQUARD OCH (NN)