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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Mittwoch, 12. Februar 2014

Kanzler aus Kunreuth: Anton Eckert hielt Vortrag über Friedrich von Müller

Der Kulturbeauftragte des Landkreises, Anton Eckert, hat auf Einladung des Kulturkreises Ebermannstadt das Thema „Der Kunreuther Kanzler Friedrich von Müller und Henriette sowie Julie und Caroline von Egloffstein in Weimar" beleuchtet. Prominenteste Zuhörerin war die Baronin von Egloffstein, die sich die Geschichten aus dem Leben ihrer Vorfahren nicht entgehen lassen wollte.

EBERMANNSTADT — Er gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Fränkischen Schweiz. Seine Karriere verdankt er nicht zuletzt der Unterstützung und dem Einfluss von drei Frauen aus der Region, mit denen ihn mehr als nur verwandtschaftliche Beziehungen verbanden: Friedrich von Müller, geboren in Kunreuth, war als Staatskanzler des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach nicht nur ein enger Freund Goethes, sondern schrieb während der Napoleonischen Kriege auch ein Stück europäische Geschichte. Zur selben Zeit hielt sich die Schriftstellerin Henriette von Egloffstein mit ihren Töchtern Julie und Caroline wiederholt in Weimar auf.
Das Licht der Welt erblickte Müller am 13. April 1779 in Kunreuth. Nach dem Schulbesuch kam er 1796 an die damalige Preußische Universität nach Erlangen. Schon zu dieser Zeit wurde er von Henriette von Egloffstein unterstützt. Zum Verhängnis wurde ihm sein Beitritt zum „Orden der schwarzen Brüder", der den Freimaurern nahe stand. Deshalb wurde Müller der Universität verwiesen.

Frankophiler Franke
Friedrich Müller setzte sein Jurastudium in Göttingen fort und befasste sich während dieser Zeit intensiv mit der französischen Sprache und Kultur. 1801 bekam er auf Empfehlung „der Damen von Egloffstein" eine Anstellung am Hof des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach. Dort wurde er in die „Hohe Gesellschaft" eingeführt. Weimar war in der Klassik und Aufklärung das Zentrum der deutschen Literatur.
Der Stern des Kunreuthers ging endgültig auf, als er nach der Niederlage der preußischen Armeen im Jahre 1806 bei Prenzlau auf Geheiß des Herzogs Carl August die Verhandlungen mit den Siegern führte. Im Gegensatz zum Landesvater bewunderte Müller den französischen Kaiser, der ihn später sogar als seinen Freund bezeichnet haben soll.
Müller hatte demnach intensiv auf Napoleon eingewirkt, nach einem vermeintlichen Verrat auf die Erschießung zweier Geheimräte und die komplette Zerstörung der Stadt Jena zu verzichten: „Nein, Sire, Sie werden diese Greuel nicht verüben! Sie werden Ihren Ruhm nicht auf immer verdunkeln und unschuldiges Blut vergießen!" Napoleon soll geantwortet haben: „Sie sind sehr kühn. Aber ich sehe, Sie sind ein guter Freund." Bonaparte verzichtete auf die Erschießungen, Jena blieb verschont.

Adelstitel als Dankeschön
Nach Abschluss der Friedensverhandlungen wurde Friedrich von Müller in den Adelsstand befördert. Als Verbindungsmann fädelte er die „Pariser Gespräche" zwischen Napoleon und Goethe ein. Als Bewunderer Napoleons hatte Müller nach dem Wiener Kongress schlechte Karten.
Mit der großen politischen Karriere war es vorbei, doch als Staatskanzler arbeitete er weiter an der Trennung von Justiz und Verwaltung. Friedrich von Müller machte aber nicht nur als Politiker von sich reden. Die enge Freundschaft mit Goethe spiegelte sich in zahlreichen Gesprächen wider, deren Inhalt er in seinen Tagebüchern festhielt. Die Manuskripte zu diesen Dialogen wurden 1870 veröffentlicht.
Während dieser Zeit unterhielt Friedrich von Müller stets ein enges Verhältnis zu Henriette von Egloffstein, die sich bereits als Schriftstellerin einen Namen gemacht hatte, und ihren beiden Töchtern Julie und Caroline. Er wusste, wem er seine Karriere zu verdanken hatte. Julie wurde von ihm als Künstlerin gefördert.
Friedrich von Müller, der mittlerweile auch Geheimrat war, trat 1848 als Kanzler auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Er starb am 21. Oktober 1849 in Weimar. Hier erinnert eine Gedenktafel in der Nähe seines Wohnhauses an den gebürtigen Kunreuther. Henriette von Egloffstein starb 1864 in Marienrode bei Hildesheim. Dort liegt sie, gemeinsam mit Julie und Caroline, begraben.
Seinen unterhaltsamen Vortrag beendete Anton Eckert mit der Anregung an die Gemeinde Kunreuth, eine Straße nach dem großen Bürger zu benennen. Eckert: „Das wäre sicherlich angebrachter als ein Rosen-, Tulpenoder Narzissenweg."

STEFAN BRAUN (NN)