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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Montag, 25. August 2014

Erstmal innehalten: Christiane Meyer schätzt Planungssicherheit

Spricht man mit Bürgermeistern über ihre Ziele, hört man viel, aber eines selten: ein bis zwei Jahre innehalten. Christiane Meyer (NLE), neue Bürgermeisterin Ebermannstadts, will genau das.

EBERMANNSTADT — Innehalten bedeutet stillstehen. Meyer formuliert ihr Ziel so, meint damit aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Sondern: überlegen und dann Richtung und Ziele für die kommenden Jahre festlegen. Dass die nächsten Jahre für Ebermannstadt entscheidend sein werden, dass nun die Weichen gestellt werden, ob Ebermannstadt in einen Dornröschenschlaf entschlummert oder sich als attraktive Stadt im demographischen Wandel behaupten kann, das hat Meyer schon im Wahlkampf immer wieder angesprochen.

Nun hat sie sich durchgesetzt, nun hat sie die Verantwortung, nun soll die Richtung bestimmt werden. „Wir müssen unsere Stärken und Schwächen, unsere Möglichkeiten analysieren", sagt Meyer. Und dann Entscheidungen treffen. Für weitreichende Entscheidungen braucht es Planungssicherheit und ein Konzept — beides Worte, die Meyer häufig verwendet. „Wenn wir dies nicht machen, dann eben jenes, so habe man es immer schon gehalten" — so formulierte kürzlich ein Stadtrat. Das ist Meyer ein Gräuel. „Das wird es nicht mehr geben", sagt sie.

Vor ihrem Amt als Bürgermeisterin hat Meyer als Architektin Teams geleitet. Auch wenn nun Termine und Arbeit viel dichter seien, „der Unterschied ist gar nicht so groß". Sie hat die Verwaltung umgebaut, Teams für einzelne Projekte gebildet. Kämmerer Wolfgang Krippel ist immer dabei. Aus gutem Grund. Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren viel geleistet, viel investiert. Nun seien die Unterhaltskosten hoch, die Investitionen seien mit Kassenkrediten bezahlt worden — eigentlich nicht erlaubt. Sogar die Kreditaufnahme für Pflichtaufgaben sei gefährdet.

Angesichts der angespannten Haushaltslage wird Meyer so weiter machen müssen, der Stadtrat wird wieder einmal über eine Straßenausbaubeitrags-satzung diskutieren.
FWBB und CSU hatten das Thema noch unter Meyers Vorgänger Franz Josef Kraus immer wieder einmal angesprochen — passiert ist nichts, obwohl die Rechtsaufsicht dies des Öfteren rügte. Die Folgen: weniger Zuschüsse und erschwerte Kreditaufnahme. Neue Dorferneuerungen oder die Altstadtsanierung Breitenbach — nur die Geländer kommen — werden zurückgestellt. Krippe, Gasthof zum Bayerischen oder der Breitbandausbau verschlingen die Mittel. Zum Teil kamen diese Investitionen überraschend, fordern nun schnelle Entscheidungen. Und Meyer kann es nicht leiden, unter Zeitdruck Entscheidungen fällen zu müssen.

Protokolle im Internet

Auch vor den Wahlen ließ sich Meyer viel Zeit, bis sie ihre Kandidatur öffentlich machte. Sie trat mit dem Versprechen von Transparenz und Bürgerbeteiligung an. Meyer hat die von Kraus eingeführten Sprechstunden fortgeführt. Mittlerweile wurde ein erster Workshop abgehalten, um zu erfahren, was die Bürger eigentlich wollen, ein zweiter folgt Ende September. Der Haushalt ist im Internet einsehbar. Im Herbst sollen Sitzungsprotokolle und Beschlussvorlagen folgen. Erste Bürger, die sich einbringen wollen, haben sich gemeldet.

Eine Umweltaktivistin, eine Frau — für manche kam der Wahlsieg Meyers überraschend. Als vorher schon berufstätige Frau sei das Geschlecht für Meyer selbst nie Thema gewesen. Die ersten Bürgerversammlungen hat sie hinter sich gebracht. Meyer hat das Gefühl, „absolut akzeptiert" zu sein. Ihr Besuch beim Jubiläum der Feuerwehr in Niedermirsberg zeichnet ein anderes Bild, dort schien sie nicht jedem willkommen. Ein Grußwort musste sie sich nach Informationen der NN erst erobern.

Erst vor ein paar Tagen hat Meyer mit ihrer fast volljährigen Tochter im Amtszimmer aufgeräumt, trotzdem stapeln sich Akten auf Meyers beiden Schreibtischen. Dazwischen liegt ein Buch mit Grundwissen für Kommunalpolitiker. Die Einarbeitungszeit lief parallel zu den Amtsgeschäften, sagt die 42-Jährige, außerdem Mutter eines zehnjährigen Sohnes. Nun seien die langen Tage langsam vorüber. „Es geht nicht ohne Großfamilie, ohne Partner und Eltern." Auch deshalb liegt ihr das Familienzentrum, das mit der Krippe am Hasenberg entstehen soll, so am Herzen. „Junge Familien müssen ganz anders ins Bewusstsein der Stadt, wir müssen jungen Erwachsenen hier eine Perspektive geben."
Um Perspektiven angesichts des Schuldenstandes ringt auch der Stadtrat, Mittel und Gestaltungsspielraum sind begrenzt. Meyer gibt in den Sitzungen die Diskussionen frei, die Wortmeldungen sind deutlich häufiger als früher. Anfangs habe es eindeutig eine Blockbildung gegeben, so Meyer. Dies habe sich mittlerweile gegeben. Die Zusammenarbeit mit ihren Stellvertretern Rainer Schmeußer (CSU) und Sebastian Götz (WGM) sei sehr gut. Im neuen Stadtrat hatte das Gebet vor den Sitzungen zu Beginn für Diskussionen gesorgt.

Das Amtszimmer Meyers wurde noch von Kraus eingerichtet. An einer Wand steht eine große Madonna aus Holz, darum Figürchen der Ortspatrone. Über der Tür hängt ein großes schwarzes Kreuz. Meyer wollte es gegen ein kleineres tauschen, hat aber die Lust verloren, als die Debatte um das Vaterunser hochkochte. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt, das Kreuz hängt immer noch. Es gibt Wichtigeres als dessen Größe. Zum Beispiel, Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Meyers machen jetzt Urlaub, Mountainbiken am Gardasee.

STEFAN BERGAUER (NN)