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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Donnerstag, 19. November 2020

Volkstrauertag

Rede der 1. Bürgermeisterin am 15.11.2020

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Verehrte Geistlichkeit, sehr geehrte Damen und Herrn, in diesem Jahr können wir uns nicht am Kriegerdenkmal unserer Stadt zusammenfinden. Veranstaltungen sind untersagt. Umso mehr bin ich Herrn Pfarrer Stark dankbar, dass wir dennoch -hier in der Kirche- die Gelegenheit haben, uns gemeinsam an die Menschen, die im Krieg und durch Gewaltherrschaft starben, zu erinnern.

Wir gedenken am Volkstrauertag der Opfer aller Kriege, der Vergangenheit und der Gegenwart.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Gedenkens steht ein Tag vor 75 Jahren. Am 8. Mai 1945 endete der vom nationalsozialistischen Regime entfachte 2. Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

Nach 6 Jahren Krieg weltweit, mit ständig steigenden Opferzahlen, kam es im April 1945 auch in und um Ebermannstadt zu Kampfhandlungen, die kurz vor Kriegsende weiteren Menschen das Leben kostete.

Ein zeitlicher Ablauf auf der Innenseite des Faltblattes zeigt diese dramatischen Ereignisse. Junge Soldaten starben bei aussichtslosen Kampf-einsätzen, Bewohner eines Hauses in unserer Innenstadt kamen bei Fliegerangriffen ums Leben, Gefangene starben an Entkräftung und Zivilisten, die zwischen die Fronten gerieten, verloren ihr Leben.

Noch deutlicher zeigte der Krieg sein gnadenloses und unbarmherziges Gesicht, als bei Gasseldorf ein deutscher Soldat, der die Aussichtslosigkeit jeglichen Widerstandes erkannte, im Alter von 23 Jahren von einem SS-Kommando hingerichtet wurde. Der Gedenkstein, der auch an seinen gefallenen Bruder erinnert, steht heute in Untertrubach nahe der Kirche.

Ein weiteres Zeichen der Trauer, aber auch der Hoffnung, wurde im September 1947 auf dem Zuckerhut, oberhalb von Rothenbühl errichtet. Pater Georg Arend, der selbst schwer verwundet aus dem Krieg zurückkehrte, weihte im Beisein von über 1.000 Jugendlichen das Gedächtniskreuz ein, das an die gefallenen und vermissten Soldaten erinnert und gleichzeitig ein Zeichen des Dankes all derer Gefangenen ist, die glücklich in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Natürlich war der 8. Mai 1945 - und dies wurde von den meisten Deutschen so empfunden - ein Tag der Niederlage:

  • Millionen junger Soldaten waren gefallen
  • Millionen Wehrmachtsangehörige befanden sich in Gefangenschaft
  • Ganze Landstriche waren verwüstet, Städte wie Nürnberg oder Würzburg zerstört
  • Wohnungslose und Ausgebombte hausten in provisorischen Unterkünften
  • Millionen Flüchtlinge strömten in ein zerstörtes Land

Er war aber auch ein Tag der Befreiung:

  • Die Kampfhandlungen waren vorüber, die Menschen atmeten auf. Sie konnten ohne Angst ein neues Leben aufbauen.
  • für die wenigen Überlebenden der KZ`s öffneten sich die Tore der Vernichtungslager.
  • Politische Gefangene der Nazidiktatur erlangten ihre Freiheit.
  • Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene waren frei und machten sich auf den Weg in ihre Heimatländer.

Und der Tag war ein Tag des Neuanfangs, dies zeigt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Nachdem die führenden Verantwortlichen des Krieges aus dem politischen Leben verbannt  wurden, konnte mit wirtschaftlicher Hilfe der Westmächte eine demokratische Neuordnung für unser Land auf den Weg gebracht werden, die im Jahr 1949 zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland führte. Nach und nach fanden wir Anerkennung in der Staatengemeinschaft und wurden wichtige Bündnispartner in Europa und weltweit.

Der 2. Weltkrieg und die menschenverachtende Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten liegen inzwischen lange zurück. In Europa herrscht seit 75 Jahren weitgehend Frieden. Doch die Geschehnisse in Afrika, im Nahen Osten oder in Bergkarabach zeigen, dass Friede ein höchst fragiles Gut ist. Ihn zu wahren und zu verteidigen ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.

Unser Gedenken soll eine eindringliche Mahnung sein: Lassen wir nicht zu, dass Gewalt oder gar Krieg jemals wieder Mittel der politischen Auseinandersetzung werden.

An das Vergangene erinnern, aus der Geschichte lernen, Demokratie schützen, bewahren, sich einzusetzen für Frieden und Freiheit: das muss unser aller Aufgabe bleiben.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei unserer Soldatenkameradschaft Ebermannstadt bedanken. Sie pflegen unsere Kriegerdenkmäler und setzen sich für den Frieden ein. Ebenso bedanke ich mich bei den Vertreterinnen und Vertretern des Vdks, die sich u.a. für die Interessen der Kriegs- und Wehrdienstopfer stark machen. Zuletzt danke ich Herrn Dr. Manfred Franze und meinem Vater Christian Rösch für die Erstellung des Flyers. Herzlichen Dank!

Flyer anlässlich des Volkstrauertages 2020

Ebermannstadt, 15.11.2020

Christiane Meyer
1.   Bürgermeisterin der Stadt Ebermannstadt