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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Mittwoch, 23. Januar 2013

„Musische Bildung ist unverzichtbar“

Debatte im Kreisausschuss: Gemeinden sollten Gastschulbeitrag an alle drei Musikschulen zahlen

„Die musische Bildung ist unverzichtbar in der Bildungsregion Landkreis Forchheim", findet Ebermannstadts Bürgermeister Franz Josef Kraus. Der Antrag des Schulverbandes Ebermannstadt, dass sich Gemeinden und der Freistaat künftig an den Kosten von Musikschulen besser beteiligen sollen, ist in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses des Kreistages auf positive Resonanz gestoßen.

Die Musikschule Ebermannstadt arbeitet äußerst erfolgreich: 605 Schüler, mehr als in der örtlichen Grund- und Mittelschule, werden dort unterrichtet. Doch Bildung kostet Geld. Jedes Jahr muss der Schulverband Ebermannstadt in diesem Bereich ein Defizit von 190 000 Euro finanzieren. Allein 80000 Euro kosten die 203 Musikschüler, die aus Gemeinden stammen, die dem Schulverband gar nicht angehören.
So kommen zum Beispiel 46 Kinder aus Kirchehrenbach, 27 aus Pinzberg und 19 aus Gößweinstein zum Musikunterricht ins Wiesentstädtchen. Weil die Stadt Ebermannstadt aber zurzeit selbst schauen muss, wie sie finanziell über die Runden kommt, hat der Schulverband bereits alle Heimatorte der Musikgastschüler angeschrieben und um Beteiligung am Defizit gebeten. Die Folge aber waren Absagen – freiwillig will keine einzige Gemeinde dafür Geld zahlen.

Singen oder ein Instrument spielen gehört zur ganzheitlichen Bildung dazu, findet Ebermannstadts Bürgermeister Franz Josef Kraus. Daher sollten die Musikschulen im Landkreis besser finanziell unterstützt werden. Archivfoto: Helmut Vogler

„Lösung für alle Schulen"
Daher stellte Franz Josef Kraus, Vorsitzender des Schulverbandes, einen Antrag an den Landkreis, dass jener zumindest das von den Gastschülern verursachte Defizit tragen solle. Ein Beitrag von rund 350 Euro pro Gastschüler würde das Defizit bereits ausgleichen. Landrat Reinhardt Glauber bewertete in seinem Antwortschreiben das Anliegen als „grundsätzlich und sehr komplex", das politisch diskutiert werden müsse. Ferner forderte der Landrat, dass man für alle drei Musikschulen im Landkreis – in Forchheim, Ebermannstadt und Igensdorf – eine Lösung finden sollte.
In der Sitzung erläuterte Kraus nun nochmals die Problematik. Der Landkreis Forchheim sei Bildungsregion, daher sei hier die musische Bildung unverzichtbar. „Alle Schüler, die musikalisch unterrichtet werden wollen, sollten dieses erfahren dürfen." Musikschulen sollten daher wie Volkshochschulen behandelt werden, regte der Bürgermeister an. Angestrebt werden sollte, dass der Freistaat seinen Zuschuss auf 25 Prozent erhöht, außerdem sollte man die Gemeinden dafür gewinnen, sich am Defizit zu beteiligen. „Schließlich sind die Kosten für eine Musikschule doch viel geringer als die Kosten für gebrochene Biographien", gab Kraus zu bedenken.
Als Argumentationshilfe führte er eine Studie von Studenten aus Kanada an, die nachweise, dass musische Bildung die Konzentrationsfähigkeit und Wahrnehmung fördere. Wer Musik macht, sei in der Regel in der Schule besser. „Die Mittelschule Ebermannstadt hat die geringste Abbrecherquote", sagte der Bürgermeister stolz. Ziel müsse es daher sein, dass alle drei Musikschulen im Landkreis künftig finanziell besser ausgestattet werden. Er bat darum, dass der Landrat bei der nächsten Bürgermeisterdienstbesprechung auf die Gemeinden einwirke, dass sie künftig einen Beitrag zu den Musikschulen leisten.
Der Vorschlag stieß im Gremium auf offene Ohren. Der Fraktionssprecher der Grünen, Karl Waldmann, sagte: „Dem Antrag kann ich voll zustimmen." SPD-Kreisrat Edgar Büttner, Bürgermeister von Heroldsbach, erzählte, dass seine Gemeinde bereits freiwillig rund 6000 Euro im Jahr für seine Gastschüler zahlt, die die Musikschule Röttenbach besuchen.
CSU-Kreisrat Erwin Zeiß verwies auf Igensdorf, wo er lange Bürgermeister war. Auch hier gebe es eine erfolgreiche Musikschule, die den Haushalt jährlich mit rund 100 000 Euro belastet. Er bestätigte: „Es ist wirklich so, dass man mit den Kindern, die die Musikschule besuchen, viel weniger Probleme hat." Daher sollten Musikschulen besser anerkannt und finanziell gefördert werden, forderte Zeiß. Der Landrat will das Thema nun in der nächsten Bürgermeisterdienstbesprechung diskutieren, solange wird der Tagesordnungspunkt im Kreisausschuss zurückgestellt.

MARIA DÄUMLER (NN)