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Neues aus Ebermannstadt

Datum: Montag, 28. Januar 2013

Streit zwischen Stadt und Feuerwehr beigelegt

Schlichtung  In einer Krisensitzung haben sich die Vertreter der Feuerwehr und Bürgermeister Franz Josef Kraus ihren Frust von der Seele geredet. Sie hätten zu einer sachlichen Ebene zurückgefunden und wollten die Probleme lösen, zeigen sich beide Seiten einsichtig.

Ebermannstadt - Immerhin: Jetzt sitzen Feuerwehrmann Hans Beyer (53) und Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU) wieder an einem Tisch. Bei der großen Aussprache am Mittwochabend hinter verschlossenen Türen wurde Tacheles geredet, gestehen beide. „Noch sind nicht alle Probleme gelöst, doch wir sind auf einem guten Weg", findet Hans Beyer und Bürgermeister Franz Josef Kraus nickt beifällig. Die Gewitterwolken ziehen langsam ab.„Im Grunde", so Bürgermeister Kraus, „war alles ein großes Missverständnis." Mit anderen Worten: Es wurde zu viel übereinander und zu wenig miteinander geredet. Oder die beiden Seiten verkehrten nur noch schriftlich. Deshalb hat sich Bürgermeister Kraus fest vorgenommen: „Wir sollten weniger e-mails schreiben und öfters miteinander reden." „Beispielsweise bei einem Glas Bier", ergänzt Beyer, seit 1975 bei der Freiwilligen Feuerwehr Ebermannstadt.

Annäherung der Standpunkte

Hier hat er bereits viele Höhen und Tiefen mitgemacht, war zwölf Jahre lang Kommandant und zehn Jahre gleichzeitig Kreisbrandmeister. „Es ist nicht leicht, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen", weiß Beyer. Als wichtigsten Erfolg der „Krisensitzung" wertet er, dass jeder seine Meinung sagen konnte und dass es eine Annäherung der Standpunkte gab, ohne dass einer sein Gesicht dabei verloren hat.„Es wurde schon sehr offen diskutiert. Da nahm sich niemand ein Blatt vor den Mund", betont Beyer, ohne jedoch Einzelheiten zu verraten. Nur so viel: Als Mediator war Kreisbrandinspektor Georg Henkel aus Weilersbach dabei. „Aber auch ohne ihn hätten wir uns die Köpfe nicht abgerissen", lächelt Bürgermeister Kraus.

Missverständnisse

Die Mitglieder der Feuerwehr hätten das Gefühl gehabt, dass ihnen die Vertreter der Stadt die Hand gereicht haben. Neben dem Bürgermeister war der gesamte Stadtrat zu dem Treffen geladen. Seitens der Feuerwehr nahmen neben dem Pflichtkommandanten Erich Steinlein auch Vorstand Paul Steinlein, die (zurückgetreten) Führungskräfte, Kreisbrandmeister Franz Josef Hetz und die Verbindungsleute zum Stadtrat teil. Dabei unterstrich Franz Josef Kraus die hervorragende Arbeit der Ebermannstadter Feuerwehr. So seien zweifelsohne Spannungen abgebaut worden, findet Hans Beyer, Berufsfeuerwehrmann bei der Flughafen-Feuerwehr in Nürnberg.Dann verrät Bürgermeister Kraus doch das ein oder andere Interna. Er habe den Bediensteten der Stadt nahe gelegt, die Übungen der Feuerwehren zu besuchen. Da aber dem einen oder anderen Kenntnisse im Umgang mit Gerätschaften speziell bei der Ebermannstadter Wehr fehlten, sei es vorgekommen, dass dieser Kollege wieder heim geschickt worden. Als der sich beschwerte, erhielt er den Rat: „Dann geh halt nicht mehr hin." So sei der Eindruck entstanden, die städtischen Bediensteten hätten kein Interesse an der Feuerwehr. „Eines der großen Missverständnisse", findet Kraus, der darauf verweist, dass es auch Unstimmigkeiten zwischen den Floriansjüngern aus der Stadt und den Ortsteilen gab. Außerhalb der Stadtratssitzungen fiel wohl auch die eine odere andere spitze Bemerkung gegen die Stadt-Feuerwehr. „Es hat gemenschelt", umschreibt Hans Beyer diese Situation.

Die Aussprache sei insbesondere Erich Steinlein nicht leicht gefallen. „Aber es war wohl so, dass einer dem anderen nicht mehr über den Weg getraut hat", analysiert Hans Beyer. Das soll nun ein Ende haben, denn die Feuerwehr sei schließlich eine große Familie. Von vielen der Aktiven waren bereits die Eltern und Großeltern in der Feuerwehr, betont Franz Josef Kraus.

Ein Patentrezept für eine harmonische Zukunft gibt es nicht. Dafür jede Menge guter Vorsätze: Auf beiden Seiten. So wurde bereits für Montag, 18. Februar, ein weiteres Treffen zwischen dem Stadtchef und den Feuerwehrlern fest vereinbart. Diesmal im kleinen Kreis. Mit dabei sind aber die Verbindungsleute zwischen Stadtrat und Feuerwehr.

Noch strittige Themen

Bis dahin wollen sich die Mannen um den Pflichtkommandanten Erich Steinlein Gedanken machen, wer zukünftig die Führung bei der Ebermannstadter Feuerwehr übernehmen soll. Auf der anderen Seite gibt es eine Liste der noch strittigen Themen, die Schritt für Schritt abgearbeitet werden soll.Dazu gehört die Sanierung des Schlauch-Trockenturmes ebenso, wie die Schlagkräftigkeit der Feuerwehr tagsüber, wenn viele außerhalb auf Arbeit sind. Zu den noch strittigen Punkten gehört beispielsweise die Dekontaminierung von Atemschutzgeräteträgern.

„Da müssen sich die Verantwortlichen der Feuerwehr erst einmal einig werden", findet Bürgermeister Kraus, denn laut Kreisbrandinspektor Georg Henkel sei der Auffassung, dass es in Pretzfeld bereits eine Spezialeinheit gebe. Die stehe aber nur auf dem Papier, finden die Ebermannstadter und fordern die 10 000 Euro teure Spezialausrüstung.

„Darüber muss man reden", betont Hans Beyer. Ebenso über die Anschaffung neuer Fahrzeuge. Oder über die Sicherheitskleidung, für die es seitens der Stadt lediglich eine Pauschale gibt. Das Wichtigste aber sei, darin sind sich Bürgermeister meister Kraus und Hans Beyer einig, dass man auf eine sachliche Ebene zurück gefunden habe. Sie versprechen sich: „Das soll auch so bleiben."

JOSEF HOFBAUER (FT)